Der erste Tag

3 09 2010

Später am Tag, 21.30 Uhr:  Jetzt ist also mein erster Tag rum. Olivia hat mich wie versprochen abgeholt und wir waren in dem riesigen Einkaufszentrum, das sogar zu Fuß ziemlich schnell erreichbar ist (von Inges Haus aus 10 Minuten). Allerdings haben wir uns allein durch diese Tätigkeit als ‚bloody foreigners‘ zu erkennen gegeben (als ob unsere Haut nicht schon Hinweis genug wäre), denn Filipinos laufen anscheinend keinen Schritt, der nicht absolut notwendig wäre. Man sieht eigentlich niemanden zu Fuß herumlaufen, und die Straßen sind auch dementsprechend fußgänger-unfreundlich. Stattdessen fährt man immer Taxi, Jeepney und Tricycle.

Wir waren jedenfalls in der ‚Mall‘ und haben eingekauft. Wenn man einmal drin ist, kann man sofort vergessen, in welchem Land man ist. Alles ist Neon-erleuchtet, klimatisiert, es läuft Lady Gaga und Katy Perry und viele westliche Marken sind vertreten. Ich fand den Unterschied zu draußen, wo es heiß ist und die Häuser und die Vegetation so völlig fremd sind, ziemlich krass. Hier wird einem der Unterschied zwischen reich und arm – obwohl Davao insgesamt eine ziemlich reiche Stadt ist – schon zum ersten Mal sehr deutlich. Das Einkaufen war dementsprechend auch eher unproblematisch und nicht so erzählenswert. Außer vielleicht, dass ein Stück Käse fast 4 Euro kostet.

Kurz nach unserem Einkauf haben Olivia und ich uns dann mit Henning und seiner Frau Ratna (keine Ahnung, ob ich das richtig schreibe, ist auf jeden Fall ein indonesischer Name) zum Essen getroffen. Wir waren in einem wunderschönen Restaurant, das aus Holzbänken und Tischen unter einem Pavillon zwischen Palmen und Bananenstauden sowie einer Plattform auf dem Wasser inmitten der Pflanzen bestand. Das Essen war ebenfalls großartig, es gab ein typisch philippinisches Essen, dessen Namen ich schon dreimal wieder vergessen habe, aus rohem Fisch, Gurke, grüner Mango, Ingwer und Chili in einer hellen frischen Soße, sowie grünes Gemüse in Sojasauce und richtig leckere Muscheln. Wirklich alles total toll. Hinterher bin ich dann nur noch mit Henning und Radnar ein bisschen durch Davao gelaufen (wieder mal die einzigen auf weiter Flur zu Fuß unterwegs), wo die beiden mir ‚Durian‘ gezeigt haben. Durian ist die typische Frucht für diesen Teil der Philippinen und vor allem für Davao. Sie wird auch liebevoll ‚Stinkfrucht‘ genannt, da sie nach kurzer Zeit der Überreife einen höllischen Gestank entwickelt – sodass sie in Airlines oder Hotels sogar verboten ist. Über den Geschmack der Frucht scheiden sich die Geister – mir wurde gesagt, dass man ihn entweder liebt, oder hasst. Nachdem ich sie jetzt probiert habe, gehöre ich in die anscheinend nicht-existente Kategorie der neutralen Menschen. Das Zeug fühlt sich nicht so toll an, hat ne ziemlich matschig-schleimige Konsistenz, wenn man reinbeißt, aber der Geschmack ist irgendwie sehr interessant – süßlich, aber mit nichts zu vergleichen, was ich mal zu Hause probiert habe. Also, wird nicht meine letzte Durian gewesen sein, aber es ist auch nicht mein neues Lieblingsobst. Das Probiererlebnis war allerdings ziemlich cool, weil wir einfach an einem Stand an der Straße stehen geblieben sind, Henning und Radnar sich eine Frucht ausgesucht haben, der Mann am Stand sie uns aufgeschnitten hat (diese Früchte sind groß und stachelig, dafür braucht man fast ne Machete) und wir uns einfach an der Straße hingesetzt und Obst gegessen haben. Dazu Autolärm und laute Musik aus den kleinen Boxen – einfach gemütlich 😉

Danach sind wir noch durch die Straßen geschlendert (vor allem weil Henning noch einen guten Durianstand finden wollte), und die beiden haben mich nach Hause gebracht. Den ganzen Weg haben wir allerdings nicht geschafft, und sind dann noch Tricycle gefahren. Habe also auch diese typische asiatische Erfahrung jetzt mal gemacht. Und auch wenn die hier so ein bisschen verrückt Auto fahren, fühle ich mich eigentlich nie unsicher. Anscheinend weiß hier jeder, was er tut. Die frische Brise auf dem Tricycle tut gut – generell halte ich die Temperaturen bis jetzt ganz gut aus.

Morgen fahren wir mit ein paar Freunden und Bekannten von Olivia auf die Insel, die vor Davao liegt. Wir bleiben auch übers Wochenende da und genießen den Strand. Ick freu mir, wa! Also hört ihr frühestens Sonntag wieder von mir. Bis dahin!



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